Die Aufgabe des Qigong ist, die Achtsamkeit des Menschen sich selbst und seiner Umwelt gegenüber zu steigern, damit er sich in dem großen kosmischen Zusammenhang erfährt und erkennt, wie sein Wohl von dem Zusammenspiel alles Lebendigen abhängt. Bereits die Grundhaltung bei Qigong läßt ihn die nährende senkrechte Achse körperlich erfahren. Sie richtet ihn im wahrsten Sinne des Wortes auf und bringt ihn ins Lot. Die Erde gibt ihm festen Halt, der Himmel die Führung. Die Zusammenführung und Harmonisierung des Geistes und der körperlichen Sinneswahrnehmung ermöglicht eine körperliche Erfahrung geistiger Inhalte. Gotteserfahrung wird zu einer greifbaren Tatsache. Der Mensch wird durch Gott körperlich berührt, erfaßt und auch geführt. Dies ist geschichtlich gesehen keine neue Erfahrung.
Frühchristliche und mittelalterliche Darstellungen dokumentieren auch das kosmologische und energetisch ausgerichtete Denken des Christentums. Die kosmologische Bedeutung der Schrift wurde seit den Anfängen gepflegt. Bei vielen typologischen Vergleichen des Neuen mit dem Alten Testament haben die Kirchenväter den Gedanken der Heiligen Hochzeit zwischen Himmel und Erde zu einem zentralen Thema des Mittelalters gemacht.