03.10.2016

Die Wandlungsphasen Erde und Metall

Hoher Ifen im Kleinwalsertal, Nordseite.
„Oben leicht – unten schwer.“

Gedanken zu Erde, Metall und deren Beziehung

Hier schreibe ich Gedanken zum Thema, wie ich sie aus meiner Sicht gerade wahrnehme. Sie haben keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit oder wissenschaftliche Zuordnung. Es sind Überlegungen, die zu anderen, weiteren Überlegungen Anlass geben sollen.

Erde

Erde schwingt als Übergangszeit, als Mitte, als Platz auf dem alles andere stattfindet, das ganze Jahr hindurch, immer wieder als das transformierende Element mit, im Spätsommer ist dies ganz besonders der Fall.
Die Umkehrung aus dem im Holz gewachsenen und sich im Feuer am deutlichen manifestierenden Yang bewirkt eine Zentrierung durch die zunehmenden Yin-Kräfte. Das ist hilfreich, um die eigene Mitte zu finden, den sicheren Platz, auf dem Transformation stattfinden kann.
Erde hilft mir, mich zu versorgen und andere versorgen zu können. Sie ist die Kraft in mir, die von der Natur gespeist wird, die Beziehung zur Natur birgt, der Mutter Erde; sie hilft mir, in der Welt und im Leben zu stehen, den eigenen Platz in der Welt zu finden.
Gut geerdet sein macht mir ein rundes, sicheres Gefühl der Geborgenheit. Es lässt mich sicher auf der Erde stehen - die Erde trägt mich, was auch immer geschieht.

Metall

Die Erde zentriert, Metall geht darüber hinaus. Die Energie wird noch dichter und absenkender. Ich kann damit das Schwere nach unten sinken lassen, es loslassen und oben leicht und frei werden. Organisch geschieht das durch den Dickdarm und die Atemfunktion der Lunge. Im Metall ist also das am stärksten nach unten orientierte innere Organ mit dem am höchsten gelegenen inneren Organ in einer Wandlungsphase verbunden. Durch das Loslassen wird die Inspiration möglich, durch das Loslassen des Schweren entsteht Leichtigkeit.
Dies ermöglicht Trennschärfe, die Kontrolle der eigenen Grenzen, Strukturierung, Rhythmus.
Die Trennung des Unverwertbaren, des Abfalls vom Körper, das Verabschieden von Verbrauchtem, in letzter Konsequenz die Trennung vom verbrauchten Körper eröffnet die Möglichkeit für Neues, das sich in der nachfolgenden Ruhephase des Wassers heranbilden kann.

Erde-Metall-Beziehung

Erde und Metall haben also bezogen auf die Wandlung von Yang in Yin die gleiche Richtung in unterschiedlicher Qualität, Intensität, auf einem anderen Level. Das führt bei der Erde (Yang nimmt ab, ist aber noch deutlicher vorhanden) zu dem runden, zentrierenden Gefühl. Es versorgt uns, lässt uns geborgen fühlen, standfest und sicher. Aus dieser Atmosphäre heraus fällt es leichter, in das extremere Absinken und Verdichten des Metalls zu gehen, abzutrennen, loszulassen, gehen zu lassen. So gibt die Versorgung durch die Erde, die gute Erdung dem Metall die Grundlage für diese Fähigkeiten, die auch gleichzeitig Herausforderung für den Menschen sind. Erde bietet die Sicherheit und die Standfestigkeit als Voraussetzung, sich in den Prozessen des Metalls nicht zu verlieren.

Wenn ich versorgt und in meiner Mitte bin, kann ich auch selbstverständlicher mit meinen Grenzen umgehen. Es fällt mit stabiler Mitte leichter, jemandem „etwas zu husten“ - und es ist gleichzeitig nicht mehr so wichtig. Auf der körperlichen Ebene transformiert eine gut funktionierende Milz Feuchtigkeit, Schleim; das sind Voraussetzungen für eine gute Lungen-/Atemfunktion.

Erde und Metall in der Übung

In Übungen kann ich die Funktionen von Erde und Metall in verschiedener Weise betonen - das möchte ich an kleinen Beispielen zeigen.
Ich betrachte hier unter diesen Aspekten das Stehen: ich spüre den Kontakt der Füße mit der Erde (draußen bekommt das mehr Qualität als drinnen), kann mich auch bildlich mit der Erde verbinden, mich verwurzeln, stehe mit beiden Füßen sicher auf der Erde. Dafür ist es hilfreich, wenn ich mich erst mal auf der Erde niederlasse, mein Gewicht abgebe - dann spüre ich die mich tragende Kraft der Erde. Ich gehe mit der Aufmerksamkeit in meine Mitte und fühle mich dadurch zentriert, geerdet, sicher, getragen, rund und geborgen. Gelassenheit entwickelt sich.

Das Ausrichten in die Mitte kann ich noch dadurch unterstützen, dass ich mich als Mitte zwischen Himmel und Erde betrachte, ich mich ausdehne und wieder zur Mitte zurück finde. Dies kann in verschiedene Richtungen geschehen - in der Horizontalen nach außen und innen, direkt nach oben und unten (in die Erde und in den Himmel), aber auch in der Diagonalen, wie es in einigen Übungsmethoden (z.B. 3. Brokat-Übung, 3. Fanhuangong-Übung mit beidbeinigem oder einbeinigem Stand vorkommt).

Wenn ich das „bewegte Stehen“ betrachte, werden mehr Metall-Aspekte deutlich. Mit der Einatmung lasse ich mich etwas wachsen, mit der Ausatmung setze ich mich etwas ab. Diese Bewegung, die mit der Atmung gekoppelt ist - ich kann auch dahin kommen, dass der Atem diese Bewegung mit mir macht - bringt Rhythmus in das Stehen und lässt mich meine Körperstrukturen immer wieder neu ausrichten.

Ich kann im Absetzen mein Gewicht deutlich zur Erde sinken lassen, alles Schwere an den Boden abgeben, das Loslassen unterstützen. Deutlicher wird das noch, wenn ich die mit Handflächen aneinander gelegten Hände vor der Mittellinie des Körpers absenke, oder auch bei nicht geschlossenen Händen die Verdichtung zwischen den Händen spüre, während die Hände vorn absinken. Das kann ein Gefühl der dichten, sinkenden Schwere machen.

Im Wechsel dazu kann ich mit jeder Einatmung aufsteigen und spüre hierbei vielleicht deutlicher den Lunge-Aspekt, das Oben, das Leichte, die Verbindung zum Himmel, zum Universum. 
So wird mit dem bewegten Stehen vielleicht deutlich, wie mit dem Sinken und Loslassen des Schweren körperlich der Atem freier und damit gleichzeitig auf der geistigen Ebene Inspiration leichter wird.

Heike Seeberger, September 2016