30.03.2017

Das Potential der Achtsamkeit und des Qigong im pädagogischen Setting

Achtsamkeit, Qigong Ausblick übers Meer

Bildquelle: Vera Kaltwasser

Über die Einsatzmöglichkeiten von Qigong im Schulunterricht forscht und arbeitet Vera Kaltwasser nun schon seit vielen Jahren. Hier gibt sie einen Überblick über den aktuellen Stand dieser wichtigen Arbeit.

Der Blick auf den weiten Horizont des Meeres in Madeira lässt mich daran denken, dass die Übung „Der weite Horizont“, die ein Element des Curriculums AISCHU ist, inzwischen schon so viele Lehrer_innen und Schüler_innen dazu inspiriert, ihr Vorstellungsbild eines weiten Horizontes zu verbinden mit dem Erspüren der Weite, die beim Öffnen der Arme und beim Einatmen entsteht. (vgl. die zentralen Übungen als Videoclip – dargestellt von zwei Schülern – DGUV: Achtsames Bewegen, mit Hintergrundinformationen zu Qigong für Lehrer und Schüler, Downloadmaterial). Es ist eine gute Zeit dafür, das Potential von Achtsamkeit und Qigong für den Bildungsbereich mit praktischen Umsetzungen zu realisieren.

Als ich vor mehr als zehn Jahren Mut fasste, Qigong-Übungen in den schulischen Unterricht zu integrieren, wurde das von manchen Kolleg_innen skeptisch gesehen. Die Wirkweise und Bedeutung des Qigong für die Persönlichkeitsentwicklung und Gesunderhaltung war einfach noch zu wenig bekannt. Ich bin deshalb der DEUTSCHEN QIGONG GESELLSCHAFT e.V. überaus dankbar, dass sie 2012 eine wissenschaftliche Studie der LMU (Psychologie, Prof. Dr. N. Kohls) zu dem Rahmencurriculum AISCHU unterstützt hat, deren positive Ergebnisse ermutigten, den eingeschlagenen Weg weiter zu gehen und Qigong-Übungen in den Unterricht zu integrieren. Eine zweite Studie zu AISCHU folgte im letzten Jahr durch die Hochschule Coburg.

Inzwischen gibt es in der Qigong-Gesellschaft schon viele, die sich der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen widmen und es gibt auch einen entsprechenden Ausbildungsgang. Qigong ruht ja in der Haltung der Achtsamkeit, die das Bewusstsein für Körper und Geist schult – durch bestimmte Übungen, aber auch durch eine ethische Grundeinstellung.

Das Rahmencurriculum AISCHU (ab Klasse 5 bis zum Abitur) enthält neben den Übungen auch Psychoedukation – altersgerechte Informationen über das Stressgeschehen und die Funktionsweise unseres Gehirns, Anleitungen zur Selbstreflexion, zur Erkundung der persönlichen Stressoren und der Freudequellen im Alltag und Übungen zum Achtsamen Dialog.

(Detaillierte Erläuterung- auch der zentralen Qigong-Übungen in „Praxisbuch Achtsamkeit in der Schule“, Beltz-Verlag 2016)

Inzwischen gab und gibt es Ausbildungsreihen in Freiburg, Darmstadt – aktuell in Berlin und in Hamburg. Die Seminare sind in Hessen akkreditiert von der Hessischen Lehrkräfteakademie, d.h. die Akzeptanz dieser Arbeit wächst. Voraussetzung und Grundbedingung dafür, dass Lehrerinnen Kindern und Jugendlichen die Haltung der Achtsamkeit vermitteln, ist es, dass sie sich zunächst selbst schulen lassen. Hier hat die DEUTSCHE QIGONG GESELLSCHAFT e.V. eine wichtige Funktion und das Aus- und Weiterbildungsangebot kann wesentlich dazu beitragen, dass Lehrer_innen „auf den Geschmack“ der Selbstkultivierung kommen. Schließlich dient Qigong auch dazu, dem Burn-Out vorzubeugen und die Stressresilienz zu erhöhen.

Mein Blick schweift wieder über den weiten Horizont und ich freue mich, dass Qigong Kreise zieht und wir uns gegenseitig bereichern können. Das achtsame Umgehen mit sich selbst und den Mitmenschen kann ein Gegengewicht bilden gegen die Hektik unseres Lebens und auch gegen den Wahn der Selbstoptimierung. Ruhe, Gelassenheit und Zufriedenheit – spürbar in Körper und Geist – diesem Schatz des Qigong gilt es zu heben.
Herzlich Eure Vera Kaltwasser