08.07.2016

Das Feuerelement und Herzübung

Christiane Auracher, 2016

Element Feuer! Jetzt ist er da!
Der Sommer, der von vielen herbeigesehnt wurde. Sonnenschein, Wärme, Freude, Bewegung, Lebenslust und vieles mehr…alles Dinge, die mit dem Sommer in Verbindung gebracht werden. Nach dem uralten System der fünf Elemente aus der TCM ist der Sommer der Wandlungsphase Feuer zugeordnet. Wenn das Feuer eines Menschen im Gleichgewicht ist, dann erlebt er mit leuchtenden Augen einen Sommer voller Freude und Erfüllung. Ein inneres Gleichgewicht ist vorhanden.

Feuer ist das einzige Element, dem gleich vier Meridiane zugeordnet werden:

Herz (Yin) und Dünndarm (Yang) sowie
Herzhülle (Yin) und San Jiao, der Dreifach Erwärmer (Yang)

Das Herz pumpt das Blut durch den Körper und wärmt ihn dadurch. Die  meiste Energie steht dem Herz-Meridian in der Zeit zwischen 11 Uhr und 13 Uhr zur Verfügung.
Für alle inneren Angelegenheiten und die Kommunikation auf allen Ebenen ist das Herz verantwortlich. Auch die Klarheit des Denkens und der Sprache verdanken wir der ausgewogenen Energie des Herzens.

Shen, der Geist sitzt im Herzen.

Ist Shen kraftvoll und gesund, dann ist das erkennbar an dem Glanz und dem Leuchten in den Augen.
Ein verwirrter Shen  zeigt sich an einer unklaren Sprechweise und einem Mangel an Denkfähigkeit.
Der zerstreute Shen ist zu erkennen in übermäßiger Ängstlichkeit, Nervosität und Schlaflosigkeit.
Die Herzenergie ist an all unseren Emotionen beteiligt.

Ein wichtiger Punkt auf dem Herzmeridian ist
Herz 7 Shen Men „Tor des Geistes“.
Er liegt in der Beugefalte des Handgelenks in einer Vertiefung neben der Sehne. Dieser Punkt bringt den Geist ins Hier und Jetzt und ist besonders hilfreich bei Schlaflosigkeit.

Der Dünndarm hat einen regulierenden Einfluss auf das parasympathische  Nervensystem. Dadurch wirkt er entspannend und beruhigend auf die Psyche. Eine gute Regeneration hängt von der ausgeglichenen Energie des Dünndarms ab. Außerdem wärmt er Herz und Bauch und bringt die stille Seite des Feuers zum Vorschein, Herzenswärme und wohlige Zufriedenheit. Am stärksten mit Energie durchflutet ist der Dünndarm-Meridian in der Zeit von 13 Uhr bis 15 Uhr.

Ein wichtiger Punkt auf dem Dünndarmmeridian ist
Dünndarm 3 Hon Xi Meisterpunkt des Du Mai.
Er liegt am Außenrand der Hand in der Querfalte am Übergang kleiner Finger zur Mittelhand. Über diesem Punkt kann die Atem- und Herzfrequenz unterstützt werden und die parasympathische Aktivität wird angeregt.

Die Herzhülle beschützt das Herz und reguliert den Kreislauf und den Blutdruck. Ihre Energie bestimmt die Beziehung zu anderen Menschen und die Art, wie wir Liebe und Herzlichkeit ausdrücken können. In der Zeit von 19 Uhr bis 21 Uhr fließt die meiste Energie durch diesen Meridian.

Ein wichtiger Punkt auf  dem Herzhüllenmeridian ist
Herzhülle 6 Nei Guan Meisterpunkt des Oberbauches.
Er liegt Innenseite des Unterarms 2 cun von der Handgelenksfalte zwischen den Sehnen. Dieser Punkt wirkt krampflösend auf den Oberbauch und entspannt das Sonnengeflecht. Auch bei Nervosität und Lampenfieber ist es hilfreich den Punkt zu drücken oder zu massieren.

Der San Jiao (Dreifach Erwärmer) koordiniert die drei „brennenden Höhlen“ im Körper.

Brusthöhle – Atemfunktion
Bauchhöhle – Verdauungsfunktion
Beckenraum – Ausscheidung und Fortpflanzung

Darüber hinaus hat er eine regulierende Wirkung auf die Energie des ganzen Organismus. Er bringt Kopf, Herz und Bauch in Einklang.
Er regt die Verteilung des Wei Qi (Abwehr) an. So wird die energetische Schutzhülle des Körpers gestärkt. Eine bessere Abgrenzung ist möglich. Zwischen 21 Uhr und 23 Uhr steht dem San Jiao-Meridian die meiste Energie zur Verfügung.

Ein wichtiger Punkt auf dem San Jiao Meridian ist
San Jiao 5 Wai Guan Meisterpunkt des Wundermeridians Yang Wei Mai.
Er liegt auf der Außenseite des Unterarms 2 cun von der Handgelenksfalte entfernt. Dieser Punkt stärkt die Energiehülle des Körpers und  macht kräftig und aktiv.

Nicht nur Meridiane sind dem Feuer-Element zugeordnet sondern auch noch ganz viele andere Dinge. Hier nur einige Beispiele:

Als Sinnesorgan für das Feuerelement dient die Zunge und der zugehörige Geschmack ist bitter. Da wundert es nicht, dass Kräuter die das Herz stärken meist bitter schmecken.
Die Farbe des Feuers ist Rot, rot wie das Blut und die Liebe. Dabei ist sowohl die Selbstliebe als auch die Liebe zu anderen gemeint.
Als positive Emotion wird die Freude zugeordnet.
Die negativen Emotionen des Feuerelements sind grundlose Traurigkeit und Kummer, aber auch Geschwätzigkeit und nicht zu stoppender Redefluss.

Auch bei uns gibt es einige Redewendungen die Zuordnungen erkennen lassen.
„Das Herz auf der Zunge tragen“
„Jemanden das Herz ausschütten“

Erstrebenswert ist es, ein Gleichgewicht zu erreichen zwischen Yin und Yang und innerhalb der fünf Elemente Holz-Feuer-Erde-Metall-Wasser.

Vorübung: Öffnung und Dehnung des Herzmeridians

Füße stehen nah nebeneinander, gut verwurzelt, klar in der Aufrichtung mit durchlässigen Gelenken.
Arme über die Seiten steigen lassen, Handflächen vor dem Herzen aneinander legen, Fingerspitzen zeigen nach oben, die Aufmerksamkeit liegt im Herzzentrum und auch der Atem fließt dahin.
Nun bewegen sich die aneinander liegenden Hände zur rechten Seite und die Hüfte geht nach links. Über die Mitte, dem Herzzentrum, wandern die Hände nach links und die Hüfte nach rechts. Die Übung einige Male wiederholen und vor dem Herzen zum Abschluss kommen.

http://qigong-gesellschaft.de/dqgg-publik/meridiandehnung-fuer-herz-und-...

Übung „Schwimmender Drache“

zur Stärkung des Feuer-Elements
zur Entfachung des inneren Feuers
zur Aktivierung der eigenen Drachenkraft

Gleiche Ausgangsposition wie bei der Vorübung.
Vor dem inneren Auge das Bild eines chinesischen Glückdrachen entstehen lassen. Seine Beweglichkeit, Lebensfreude und Kraft spüren.
Die aneinander liegenden Hände steigen diagonal nach links hoch, die Hüfte geht nach rechts.
Die Hände beschreiben einen großen Bogen über den Kopf, die Fingerspitzen zeigen nach rechts.
Die Hände vor dem Hals nach links ziehen und vor der Brust wieder nach rechts, vor dem Bauch nach links, die Hüfte macht immer die Gegenbewegung.
Dann auf gleichem Weg zurück und hoch über dem Kopf zur anderen Seite.
Immer bewegt sich die Hüfte gegengleich.
Der Drache fliegt hoch durch die Lüfte (Hände über dem Kopf).
Springt ins warme Meer (Hände vor der Brust).
Und taucht in die Tiefen des Wassers (Hände vor dem Bauch).
Nach einigen Wiederholungen sucht sich der Drache einen Platz zum Landen (Hände sinken seitlich nach unten).
Er ruht sich aus und hört die Stille.
Jetzt genieße noch ein paar Atemzüge die fließende Drachenkraft in deinem Körper und sei dir bewusst, dass sie immer da ist und dich unterstützt.
Dann sammle im unteren Dantien ein und schließe die Übung ab.

Wer diese wunderschöne Übung noch nicht kennt, dem empfehle ich die DVD der DEUTSCHEN QIGONG GESELLSCHAFT e.V. dazu oder sie gemeinsam mit einem qualifizierten Lehrer zu praktizieren.

Ach ja, die Wirkung der Übung erfahrt ihr durch Üben…Viel Spaß!
Christiane Auracher